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Bayern's
Sparpläne ...
Sparen an der
Bildung bedeutet Verarmung der Gesellschaft
In Bayern wird
gespart - und das nicht zu sparsam. Von Agrarsubventionen bis hin zur
freien Jugendarbeit, vom Innenministerium bis hin zum
Wissenschaftsministerium: Überall werden die Gelder gekürzt, kein
Ressort bleibt verschont. Ehrgeiziges Ziel unseres
Ministerpräsidenten, der sich nach dem Wahlerfolg gestärkt weiß: Ein
ausgeglichener Haushalt im Jahre 2006. Heimliches Ziel: Immer noch die
Kanzlerschaft?
Verfangen wir uns
nicht in Vermutungen über die Zukunft, bleiben wir einmal in der
Gegenwart. Was bedeuten die Sparpläne der Staatsregierung für uns -
Jugendliche, Schülerinnen und Schüler in Bayern? Eine ganze Menge,
leider.
Das
Kultusministerium selbst ist - vor allem wegen der sehr hohen Zahl an
Beschäftigten - vonzu großen Kürzungen verschont geblieben. "Nur" 2,5%
muss Monika Hohlmeier in ihrem Haushalt einsparen, anfangs war von
sehr viel höheren Zahlen die Rede gewesen (Was unter Umständen auch
taktische Gründe haben könnte: Erst mal erschrecken, dann wird die
Öffentlichkeit die Kürzungen schon schlucken...).Trotzdem werden auch
diese 2,5% große Auswirkungen auf uns alle haben: Denn im
Kultusministerium wird nicht die Rasenmähermethode (also überall ein
bisschen kürzer) angewandt, sondern einzelne Bereiche werden mehr oder
weniger komplett gestrichen.
So gibt es zum
Beispiel den Vorschlag aus dem Kultusministerium, "die
Lernmittelfreiheit an öffentlichen und privaten Schulen" zu streichen.
Schulbücher jeder Art müssten die Schülerinnen und Schüler dann selbst
kaufen - bzw. deren Eltern. Dies entspricht Kosten von
durchschnittlich fast 200,00 Euro pro Schuljahr - zusätzlich zu den
Ausgaben für Ausflüge, Schulfahrten,Atlanten, Formelsammlungen, Hefte,
Zirkel und so weiter. Was dies bedeutet, sollte allen klar sein:
Kinder, deren Eltern es nicht so dicke haben, haben es noch viel
schwerer, eine "höhere Bildung" zu erlangen. Die Möglichkeit, die
Lernmittelfreiheit "sozial verträglich" zu streichen, klingt wie Hohn
und ist absolut unrealistisch.Ein Zuschusssystem für finanziell
weniger gut betuchte, was als ebensolche Möglichkeit immer wieder
genannt wird, lässt viel zu viele Kinder durch das Gitter fallen.
Viele eigentlich Bedürftige wollen diese Zuschüsse aus (falschen?)
Ehrgefühlen nicht annehmen, sie sparen lieber an anderen Enden,
wahrscheinlich auch zu Lasten der Bildung ihrer Kinder. Nicht zuletzt
die PISA-Studie hat es gezeigt: In Bayern selektiert man heute schon
primär nach dem finanziellen Einkommen der Eltern, das sollte man
nicht noch verstärken! -> |
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Dass
die Damen und Herren in der Staatsregierung gerne an den Hochschulen
sparen würden und zum Beispiel Studiengebühren einführen wollen, ist
schon seit längerer Zeit bekannt. Bislang verhindert dies noch das
Hochschulrahmengesetz, gegen welches unter anderem Bayern Klage beim
Bundesverfassungsgericht eingereicht hat. Fällt das Gesetz, werden in
Bayern wohl Studiengebühren eingeführt, um den Freistaat finanziell zu
entlasten. Auch dies wird sich negativ auf die Chancen Heranwachsender
mit weniger finanziellen Mitteln auswirken.
Sicher, ein
ausgeglichener Staatshaushalt ist ein berechtigtes und wichtiges Ziel.
Doch soll man dieses Ziel auf dem Rücken der Jugendlichen austragen?
Was nützt uns ein ausgeglichener Staatshaushalt, wenn wir dafür mit
unserer Bildung und damit unserer Zukunft bezahlen müssen? Was nützt
ein ausgeglichener Staatshaushalt bei gleichzeitiger geistiger
Verarmung der Bevölkerung? Kürzen sie woanders, Herr Stoiber!
Bürgerinnen und
Bürger haben ein Recht auf Bildung; viel mehr: Bürgerinnen und Bürger
müssen sogar gut gebildet werden, um am gesellschaftlichen Leben
teilhaben zu können und das unabhängig vom finanziellen Hintergrund.
Durch die Sparpläne der bayerischen Staatsregierung wird der Einfluss
der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg zwangsläufig noch viel
größer und noch schwerer überwindbar. Wer hat, dem wird gegeben und
wer nichts hat, dem wird genommen; mit Chancengleichheit hat das
nichts zu tun.
Dies ist ein
Armutszeugnis für ein demokratisches Land. Unser gemeinsames Ziel muss
es deshalb sein, Stoibers Kürzungspläne, welche Ärmere einseitig
belasten, zu stoppen!
Vincent Steinl |