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Die
Tageszeitung vom 25.02.2004
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Bayern
hat endlich eine Opposition: die Lehrer /Von Jörg Schallenberg
Der Krach
um die Schulreform der CSU wird immer lustiger. Nun streiten
Politiker und Lehrer darum, wer unbeliebter ist
MÜNCHEN
taz Niemand ist glücklicher darüber, dass es Lehrer
und Politiker gibt, als wir Journalisten. Wenn nach dem Ansehen
bestimmter Berufssparten in der Bevölkerung gefragt wird,
dann dürfen wir Schreiberlinge immerhin hoffen, dass entweder
die Lehrer ("faule Säcke") oder die Politiker
("alles Lügner") noch hinter uns landen. Dafür
schon mal ein Dankeschön.
Allerdings herrscht im Moment gewisse Verwirrung darüber,
wer denn momentan den letzten Platz in dieser Rangliste belegt.
Erwin Huber, der als CSU-Superminister in Bayern schon qua seines
Amtes für alles zuständig ist und also genau Bescheid
wissen muss, hat vor ein paar Tagen festgestellt, dass die Lehrer,
gerade im bildungsbeflissenen Freistaat, nun einmal im, wie
Huber es schön ausdrückt, "Sozialranking"
ganz unten stehen. Das hätten die Pauker, die verbale Prügel
gewohnt sind, wohl widerspruchslos hingenommen, hätte Huber
sie bei einer Veranstaltung im Örtchen Mamming nahe Passau
nicht auch noch mitsamt der Elternschaft als "weinerlich"
verhöhnt und auf diesen fiesen alten Vorurteilen herumgetrampelt.
"Es muss eine Zeit kommen", wurde Huber in derPassauer
Neuen Presse zitiert, "in der nicht erst nach drei Wochen
mit dem Unterricht begonnen wird und nicht schon Anfang Juli
die Bücher wieder eingesammelt werden." Wenn zum Beispiel
BMW Betriebsurlaub mache, "wird auch am ersten und bis
zum letzten Tag produziert". Uiuiui, das saß, wo
doch in Bayern die Ferien erst im August beginnen.
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Aber
jetzt schlagen die Lehrer zurück. Max Schmidt, Vorsitzender
des Bayerischen Philologenverbandes, bescheinigte dem Minister
ernsthafte Schäden in der Elektrik: "Bei Herrn Huber
scheinen die Sicherungen durchgebrannt zu sein. Er befleißigt
sich einer Diktion, die sogar noch die Ausfälle von Gerhard
Schröder gegen die Lehrer übertrifft. Wer so daherredet,
der hat offenbar seine Nerven aufgrund des anhaltenden Widerstandes
gegen die geplanten Schulreformen nicht mehr im Griff." Dann
holte Schmidt zum entscheidenden Schlag aus. "Im Übrigen",
sauste die Keule nieder, "sollte der Politiker Huber daran
denken, dass die niedrigste Position im Sozialranking der Berufe
die Politiker einnehmen."
Nun, das stimmt fast, aber nicht ganz. In einer groß angelegten
Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach zum Prestige
bestimmter Berufsgruppen vom vergangenen Jahr finden sich auf
dem letzten Platz unter 18 vorgegebenen Berufen überraschenderweise
- Buchhändler. Davor rangiert der eher seltene Beruf des
Gewerkschaftsführers, dann kommen schon die Politiker. Journalisten
retten sich auf Platz 14, während Grundschullehrer einen
stolzen 6. Rang einnehmen, knapp hinter Rechtsanwälten.
Auf welche Liste hat Huber da bloß geschaut? Vielleicht
war es einfach so, wie Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier
erklärte, die kurz nach Huber in Mamming Station machte:
"In den vergangenen Wochen sind Worte gefallen, die auch
einen Erwin Huber verletzt haben."
Sicher, dieses ewige Genörgel der Lehrerinnen und Lehrer
an der geplanten schnellen Einführung des achtjährigen
Gymnasiums, den harten Sparmaßnahmen der CSU-Regierung,
zusätzlichem Unterricht - das kann einem schon an die Nieren
gehen. Zumal die Christsozialen mit ihrer Zweidrittelmehrheit
im Parlament eines einfach nicht mehr gewohnt sind: Gegner zu
haben. Da bekommen sie zurzeit reichlich Nachhilfeunterricht.
Gestern von Bauern und Studenten, heute von den Lehrer, morgen
beim politischen Aschermittwoch gar von Polizisten, die massive
Proteste angekündigt haben. Die Ordnungshüter waren
bei der letzten Allensbach-Umfrage übrigens nicht auf der
Liste."
JÖRG SCHALLENBERG |